ZWEI GENERATIONEN, EIN INTERVIEW.

Interview

1962 kaufte Ingrid Besser ein kleines Steuerbüro in Moabit. Heute sitzt die Kanzlei am Platz der Luftbrücke und wird von ihrem Sohn Andreas Besser geleitet. In einem Interview berichten beide Generationen, was sich in den über fünf Jahrzehnten verändert hat und was gleich geblieben ist.

 


 

Frau Besser, wie kam es vor über 50 Jahren zu der Entscheidung für eine eigene Kanzlei?

I. Besser: Ich komme aus einer Kaufmannsfamilie, daher liegt mir das Unternehmertum im Blut. Nachdem ich eine Weile als Angestellte gearbeitet hatte, stand für mich unverrückbar fest, dass ich beruflich unabhängig sein wollte. Also habe ich 1962 direkt mit meiner Zulassung für damals 18.000 DM eine kleine Kanzlei in Moabit erstanden. Ich habe einige Mandanten übernommen und durch Mundpropaganda und Empfehlungen wuchs die Kanzlei sehr schnell.

Und welchen Herausforderungen standen Sie damals gegenüber?

I. Besser: Ich habe Unternehmen aus allen Branchen betreut – vom Blumenladen, über eine Segelmacherei bis hin zu einem Geschäft für Autolacke. Die größte Herausforderung bestand darin, sich in jede Branche hineinzudenken. Um eine gute Qualität abzuliefern, habe ich oft mehr Zeit in die Fälle investiert, als später auf der Rechnung stand. Das hat sich aber gelohnt, denn es entstand ein sehr persönliches Verhältnis zu vielen Mandanten, das bis heute andauert und auch auf meine Kinder übergegangen ist. Es war nicht immer leicht, aber durch mein gutes Netzwerk habe ich auch schwierigere Zeiten überstanden.

Sie sind ein Unternehmen mit Tradition – was heißt das für Sie?

A. Besser: Wir betreuen zahlreiche Mandanten über Generationen hinweg, beispielsweise die genannte Segelmacherei. Und bis heute steht der freundliche und vertrauensvolle Umgang mit unseren Mandanten im Mittelpunkt, denn nur so können wir das Beste für sie herausholen. Die Anerkennung und der Dank, den wir dafür zurückbekommen, sind uns seit jeher der größte Antrieb.

I. Besser: Bei unserem 50-jährigen Jubiläum hat sich beispielsweise ein Mandant bei mir bedankt, weil ich sein Unternehmen damals vor der Pleite gerettet habe, indem wir den Betrieb in eine GmbH eingebracht haben und er dadurch heute Rente bezieht.Tradition heißt auch Familie: Ich erinnere mich noch gut daran, wie mein Sohn in den Schulferien das erste Mal bei mir aushalf und meine Tochter ihre Ausbildung hier gemacht hat. Ich bin stolz darauf, dass meine Kinder die Kanzlei nun führen und im Team eine unverändert familiäre Stimmung herrscht.

Und wie hat sich die Arbeit seit 1962 verändert?

A. Besser: Früher war das Einkommenssteuergesetz ein flaches Heftchen, heute ist es ein dickes Buch. Während man die Gesetze früher mit logischem Menschenverstand durchschauen konnte, sind sie heute so komplex und kleinteilig angelegt, dass es viel schwieriger ist, Spielräume zu nutzen. Dazu kommt die Europäisierung und Internationalisierung des Steuerrechts. Während heute mit dem Computer zwar theoretisch jeder eine Steuererklärung erstellen kann, bleibt der rechtliche Rahmen vielen ein Rätsel. Daher geht es bei der Arbeit auch heute noch um Genauigkeit und Fachkompetenz, aber darüber hinaus werden der persönliche Austausch und eine unternehmens- und menschennahe Beratung immer wichtiger.

Herr Besser, worauf freuen Sie sich in der Zukunft?

A. Besser: Zunächst einmal freue ich mich natürlich auf die kommenden Jahrzehnte und die Zusammenarbeit mit unseren jetzigen und vielen neuen Mandanten. Um dafür gut gerüstet zu sein, stellen wir uns derzeit breiter auf: sowohl mit unserem neuen Design und der Webseite als auch mit einem erweiterten Angebot im Bereich der Unternehmensberatung und der Einführung eines Qualitätsmanagements.